Die Fakten über Abhängigkeit - Teil III

Das Verlangen nach Drogen oder Alkohol

Ein Hindernis auf dem Weg eines dauerhaften Entzugs ist das geistige und körperliche Verlangen nach der Droge. Drogen und Alkohol werden im Körper aufgespalten und durch die Leber gefiltert. Die restlichen Nebenprodukte des Entgiftungsprozesses werden "Stoffwechselnebenprodukte" genannt.

Diese Stoffwechselnebenprodukte sind Eiweißverbindungen und werden in den Fettreserven des Körpers gespeichert.

Die Stoffwechselnebenprodukte sind die physikalische Verbindung des Körpers zu den mentalen Erfahrungen, die man ursprünglich machte, als man die Drogen oder den Alkohol tatsächlich konsumierte.

Jedes Mal, wenn der Körper in eine Situation kommt, in welcher der Kreislauf beschleunigt wird, wird im Körper Fett umgesetzt und verbrannt. Das kann durch Stress ausgelöst werden, aber auch durch Sport oder auch durch intensive Emotionen oder Aufregungen – ganz normale Situationen, in die jeder kommen kann.

Wenn dies dem Betroffenen passiert – also sein Kreislauf beschleunigt wird –, beginnt sein Körper ganz normal Fettreserven zu mobilisieren und zu verbrennen. Doch bei einem Süchtigen enthält das mobilisierte Fett die gespeicherten schädlichen Substanzen und Stoffwechselrückstände der Drogen oder des Alkohols. Wenn diese Fettreserven verbrannt werden, um Energie zu erzeugen, werden auch die schädlichen Drogenrückstände erneut in den Blutkreislauf gebracht. Sobald diese schädlichen Substanzen den Weg in den Blutkreislauf genommen haben, ruft das eine körperliche und geistige Erinnerung an den Konsum der Drogen oder des Alkohols zurück. Zusätzlich ruft es auch die Erinnerungen an die emotionalen Effekte und den Rausch zurück, den die Drogeneinnahme ursprünglich ausgelöst hatte.

Kurz, die schädlichen Substanzen kommen erneut in den Blutkreislauf und sind somit der "Auslöser" oder Stimulator für unerwünschte und unkontrollierbare körperliche Phänomene im Zusammenhang mit der Droge. Auf geistiger Ebene ruft es Gefühle, Gedanken, Einstellungen und Emotionen wach, die man bei der ursprünglichen Einnahme der Droge hatte. Die Person nimmt bewusst, jedoch wahrscheinlich eher unbewusst, die Gefühle und Gedanken wahr, die sie hatte, als sie ursprünglich unter dem Einfluss der Drogen stand. Unter den neuerlichen Einflüssen, durch die wachgerufenen Erinnerungen, wird der frühere Drogenkonsument anfällig für Rückfälle.

Dieses zwanghafte, also nicht kontrollierbare Verlangen, Drogen oder Alkohol auch weiterhin zu nehmen, lässt sich zum Teil auf die Interaktion der Droge mit den chemischen Prozessen des Körpers zurückführen.

Der Empfindung beraubt

Es ist bekannt, dass Drogen die Sinneswahrnehmungen wie Geschmack, Geruch, Tastsinn etc. betäuben. Drogen betäuben aber auch die emotionalen Empfindungen, was z. B. Aufregung, Hoffnung und Freude einschließt. All diese Empfindungen braucht die Person, um gut zu leben.

Wenn eine Person Schmerzen im Bein hat, nimmt sie Schmerzmittel. Die Droge hilft dieses Problem zu lösen, indem der Schmerz nicht mehr wahrgenommen wird. Es bereinigt aber nicht die Ursache des Schmerzes, sondern verhindert nur, dass die Person den Schmerz spürt. Es ist die Art, wie der Körper mitteilt, dass es ein Problem gibt, das angegangen werden muss, auch wenn der Schmerz nicht angenehm ist. Somit dient der Schmerz im Grunde dem Überleben. Drogen unterbinden zeitweise diese Art der Kommunikation mit dem Körper. Wenn dies passiert, und dadurch der kleine Schmerz oder die leichte Krankheit nicht angegangen werden, kann der Schmerz größer oder die Krankheit gefährlicher werden, einfach weil es nicht behandelt wurde, als es noch ungefährlich war.

Drogen (einschl. Alkohol) schränken auch die Wahrnehmung der Außenwelt ein. Die Reaktionen werden durch den betäubenden Effekt der Droge langsamer oder sogar unterbunden. Zum Beispiel werden Personen, die unter Drogen- oder Alkoholeinfluss Auto fahren, zu einer ernsthaften Gefahr. Durch die Unfähigkeit, ihre Umgebung richtig wahrzunehmen, und darauf schnell genug zu reagieren, steigt erheblich das Unfallrisiko für alle Verkehrsbeteiligten.

Zurück zum Beispiel des jungen Drogenkonsumenten. Tief im Inneren hat er noch immer mit seinen eigentlichen Problemen zu kämpfen (wie im ersten und zweiten Teil dieser Infoserie beschrieben). Er leidet unter den Auswirkungen der Nährstoff-Mangelerscheinungen und dem bestehenden Verlangen nach Drogen bzw. Alkohol. Nun sieht er sich noch mehr Problemen gegenüber, mit denen er irgendwie umgehen muss.

Der Drogenkonsument hat konsumiert um Schmerzen zu lindern, ohne zu wissen dass er sich damit schadet, wenn er die Schmerzen nicht wahrnimmt und deswegen die Ursache davon nicht in Ordnung bringt. Seine Zähne können durch länger anhaltendem Konsum zerstört werden, und wenn er die Droge absetzt, wird er die Schmerzen wieder spüren. Auch könnte er sich durch den Konsum eine Krankheit oder Infektion zugezogen, die Behandlung davon aber vernachlässigt haben. Wenn er nun von den Drogen runterkommt, spürt er auf einmal die Heftigkeit der Auswirkungen.

Er mag nun unbeholfen wirken, Fehler machen und nicht den Überblick über seine Umgebung wie zuvor (vor dem Drogenkonsum) haben. Dies kann Gefühle von Unzulänglichkeit, Selbstzweifel und Verwirrung hervorrufen. Nun müssen andere sich um ihn kümmern, wodurch er sich herabgesetzt fühlt, was wiederum sein Selbstwertgefühl schmälert.

Diese Umstände werden noch überwältigender sein als die Probleme, die er zuvor hatte. Ohne Hoffnung auf einen Ausweg aus dieser Situation wird er zu derselben alten Lösung greifen, die er die Jahre zuvor schon genutzt hat – er wird rückfällig auf Drogen und Alkohol.

Die Situation verschlimmert sich weiter.

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