Rezeptpflichtige Medikamente

Rezeptpflichtige Medikamente wie Beruhigungsmittel, Opiate und Antidepressiva verursachen mehr Todesfälle durch Überdosierung als Kokain, Heroin und Amphetamin zusammen.

MEDIKAMENTEN-MISSBRAUCH: EIN ERNSTES PROBLEM

Der Konsum von rezeptpflichtigen Medikamenten zur Entspannung stellt bei Teenagern und jungen Erwachsenen ein großes Problem dar. Studien aus den USA zeigen, dass Jugendliche eher rezeptpflichtige Medikamente missbrauchen, als zu illegalen Drogen greifen.

Viele Jugendliche denken, rezeptpflichtige Medikamente seien sicher, weil sie von einem Arzt verschrieben worden sind. Wenn man sie jedoch für nicht-medizinische Zwecke einnimmt, um „high“ zu werden oder um sich selbst zu behandeln, kann das ebenso gefährlich und süchtig machend sein, wie die Einnahme illegaler Drogen.

Bei einer Einnahme rezeptpflichtiger Medikamente bestehen ernste gesundheitliche Risiken. Daher müssen sie vom Arzt verschrieben werden. Und selbst dann muss die Vergabe genau überwacht werden, um Sucht oder andere Probleme zu verhindern.

Viele Pillen sehen gleich aus. Es ist äußerst gefährlich, irgendeine Pille einzunehmen, über die Sie sich unsicher sind oder die nicht Ihnen verschrieben wurde. Menschen können auch verschiedene Reaktionen auf Arzneimittel zeigen, aufgrund der Unterschiede in der Körperchemie jeder einzelnen Person. Ein Medikament, das für eine Person in Ordnung war, kann für jemand anderen sehr riskant oder sogar tödlich sein.

Rezeptpflichtige Medikamente sind nur sicher für die Personen, die tatsächlich das Rezept für sie bekommen haben, und niemanden sonst.

REZEPTPFLICHTIGE MEDIKAMENTE: WAS SIE WISSEN SOLLTEN

Rezeptpflichtige Medikamente Problem 1Aufgrund ihres Missbrauchs- und Suchtpotenzials wurden viele Medikamente von der US-Drogenbekämpfungsbehörde (DEA) in die gleiche Kategorie wie Opium oder Kokain eingestuft. Dazu gehören z. B. die Stimulanzien Ritalin und Dexedrin oder die Schmerzmittel Oxycodon, Dolantin und Morphinsulfat.

Viele der illegalen Straßendrogen wurden einst von Ärzten oder Psychiatern verwendet oder verschrieben. Später jedoch wurden sie verboten, nachdem die Nachweise für ihre schädlichen Wirkungen nicht länger ignoriert werden konnten. Beispiele hierfür sind Heroin, Kokain, LSD, Methamphetamin und Ecstasy.

Der Missbrauch rezeptpflichtiger Medikamente kann sogar riskanter sein als der Missbrauch illegal hergestellter Drogen. Durch die hohe Wirksamkeit einiger synthetischer (künstlich hergestellter) Drogen, die als Arzneimittel verschrieben werden, ist auch das Risiko einer Überdosierung hoch. Das gilt besonders für Oxycodon und ähnliche Schmerzmittel, bei denen sich die Todesfälle durch Überdosierung in fünf Jahren mehr als verdoppelt haben.

Viele Menschen erkennen nicht, dass die Verteilung oder der Verkauf von rezeptpflichtigen Medikamenten (außer durch einen Arzt oder Apotheker) eine Form von Drogenhandel ist und genau so illegal wie der Verkauf von Heroin oder Kokain, der mit hohen Geldstrafen und Gefängnis geahndet wird. Wenn der Handel mit Medikamenten zu schwerer Körperverletzung oder sogar zum Tode führt, droht dem Dealer eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Klassen rezeptpflichtiger Medikamenten, die missbraucht werden

Rezeptpflichtige Medikamente, die zur Entspannung genommen werden, fallen in die folgenden Hauptkategorien:

1. Beruhigungsmittel: Sie wirken auf das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) und verlangsamen die Gehirnfunktion. Dazu gehören Sedativa (sie machen ruhig und schläfrig) und Tranquilizer (sie sollen Spannungen oder Ängste abbauen).

2. Opiate und Morphin-Derivate1: Sie sind im Allgemeinen als „Painkiller“ bekannt und enthalten Opium oder Opium-ähnliche Substanzen. Sie werden als Schmerzmittel eingesetzt.

3. Stimulanzien: Eine Klasse von Arzneimitteln, die Energie und Aufmerksamkeit steigern sollen. Sie erhöhen aber auch den Blutdruck und beschleunigen den Herzschlag und die Atmung.

4. Antidepressiva: Psychopharmaka, die angeblich Depressionen lindern.

BERUHIGUNGSMITTEL

Rezeptpflichtige Medikamente Beruhigungsmittel 1Diese Medikamente werden manchmal auch als „Downers“ bezeichnet. Sie sind in Form von bunten Tabletten, Kapseln oder in flüssiger Form erhältlich. Einige Mittel aus dieser Klasse, wie Zyprexa, Seroquel und Haldol, sind als Neuroleptika oder Antipsychotika bekannt. Sie sollen die Symptome psychischer Erkrankungen lindern. Beruhigungsmittel wie Xanax, Rivotril, Halcion und Librium werden oft als Benzos (Kurzform für Benzodiazepine1) bezeichnet. Andere Beruhigungsmittel wie Amytal, Nembutal und Secobarbital werden Barbiturate genannt. Diese werden als Beruhigungs- und Schlafmittel verwendet. Eine Liste der gängigen Handelsnamen und Slangbezeichnungen kann hier gefunden werden.

Kurzzeitwirkungen von Beruhigungsmitteln

  • Herabgesetzte Gehirnfunktionen
  • Verlangsamter Puls und Atmung
  • Herabgesetzter Blutdruck
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Verwirrung
  • Erschöpfung
  • Schwindelgefühl
  • Undeutliches Sprechen
  • Fieber
  • Trägheit
  • Sehstörungen
  • Erweiterte Pupillen
  • Desorientierung, motorische Probleme
  • Depressionen
  • Schwierigkeiten oder Unfähigkeit zu urinieren
  • Abhängigkeit

Höhere Dosen können Gedächtnisschwäche verursachen, Urteilsvermögen und Motorik beeinträchtigen, Reizbarkeit, Paranoia3 und Selbstmordgedanken hervorrufen. Manchmal kommt es auch zu gegenteiligen Wirkungen, wie z. B. Unruhe oder Aggressionen.

Eine gleichzeitige Einnahme von Beruhigungsmitteln und Tranquilizern mit anderen Substanzen, insbesondere mit Alkohol, kann eine Verlangsamung der Atmung und der Herzfrequenz hervorrufen und sogar zum Tode führen.

Langzeitwirkungen von Beruhigungsmitteln

Man entwickelt schnell eine Toleranz gegenüber vielen Beruhigungsmitteln und braucht als Folge davon eine höhere Dosis, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Der Versuch des Konsumenten, das gleiche High zu erreichen, führt oft zu immer höheren Dosen, bis hin zur Überdosis, die dann zum Koma oder sogar Tod führt.

Langfristige Einnahme des Beruhigungsmittels kann Depressionen, chronische Müdigkeit, Atembeschwerden, sexuelle Probleme und Schlafstörungen hervorrufen. Bei wachsender Drogenabhängigkeit wird das Verlangen des Konsumenten danach immer größer, er bekommt gewöhnlich Angstgefühle und wird panisch, wenn er seine nächste Dosis nicht bekommen kann.

Entzugserscheinungen beinhalten Schlaflosigkeit, Schwäche und Übelkeit. Bei Langzeitkonsumenten und schwer Abhängigen können Erregtheit, Fieber, Delirium, Halluzinationen und Krämpfe auftreten. Im Gegensatz zum Entzug von den meisten Drogen kann der Entzug von Beruhigungsmitteln lebensbedrohlich sein.

Diese Medikamente erhöhen das Risiko eines hohen Blutzuckerspiegels und sie können auch zu Diabetes und Gewichtszunahme führen. Es wurden Fälle von einer Gewichtszunahme bis zu 50 Kilogramm berichtet.

Antipsychotika, eine Klasse von Beruhigungsmitteln, waren für den Tod von 45 Menschen hauptverantwortlich, die durch Herzprobleme, Ersticken, Leberversagen oder Selbstmord ums Leben gekommen waren. Das geht aus einer Studie der USA Today hervor, die sich auf Daten der US-Arzneimittelbehörde FDA gründete, die innerhalb von vier Jahren zusammengetragen worden sind.

Ich hatte eine Überdosis der rezeptpflichtigen Tabletten (Zyprexa) genommen. Zudem starb ein guter Freund von mir durch diese Psychodroge ... Es gibt nichts Schlimmeres als die Gewissheit, dass dein Freund gestorben ist, weil du ihm Pillen gegeben hast, über die du selbst nur ziemlich wenig wusstest. – Linda

ROHYPNOL

Rezeptpflichtige Medikamente Beruhigungsmittel 2Bei Rohypnol (Flunitrazepam) handelt es sich um ein Beruhigungsmittel aus der Klasse der Benzodiazepine, das etwa zehn Mal so stark ist wie Valium. Es ist in Form von weißen oder olivgrünen Tabletten erhältlich und wird für gewöhnlich in der Plastikverpackung des Herstellers verkauft. Konsumenten zerstoßen die Pillen und schnupfen das Pulver, vermengen es mit Marihuana und rauchen es, mischen es in Getränke oder injizieren es.

AUSWIRKUNGEN VON ROHYPNOL

Rohypnol wird häufig im Rahmen von Vergewaltigungen benutzt, weil es das Opfer unfähig macht, Widerstand zu leisten. Dies gibt ihm den Ruf von „K.O.-Tropfen“.

Rohypnol-Konsumenten beschreiben die Auswirkungen oft als „lähmend“. Die Wirkung setzt nach zwanzig bis dreißig Minuten ein, erreicht innerhalb von zwei Stunden ihren Höhepunkt und kann bis acht oder sogar zwölf Stunden lang anhalten. Die Betroffenen können dadurch so außer Gefecht gesetzt werden, dass sie zusammenbrechen. Sie liegen mit offenen Augen auf dem Boden und sind zwar dazu in der Lage, die Ereignisse zu beobachten, können sich aber nicht bewegen. Es kommt zu Gedächtnislücken. Sie können sich hinterher nicht daran erinnern, was passiert ist.

Die Betroffenen verlieren die Kontrolle über ihre Muskeln, werden verwirrt, benommen und leiden an Amnesie.

Flunitrazepam (Rohypnol u. a.) wird in Europa und Lateinamerika als Schlafmittel vertrieben. In einigen Ländern wie den USA ist es jedoch nicht als Medikament zugelassen und gilt als illegale Droge.

SZENENAMEN

BRAND NAMES STREET NAMES R2 Roofinol
Rohypnol Forget-me pill Roche Rope
  Mexican valium Roofies Rophies

OPIATE UND MORPHIN-DERIVATE

Rezeptpflichtige Medikamente Opiate 1Opiat ist ein Sammelbegriff für eine chemisch uneinheitliche Gruppe natürlicher und synthetischer Substanzen, die morphinartige Eigenschaften aufweisen. Derartige Mittel wirken schmerzlindernd auf das Nervensystem. Fortgesetzte Einnahme und Missbrauch können dazu führen, dass körperliche Abhängigkeit und Entzugserscheinungen auftreten. Opiate gibt es als Tabletten, Kapseln oder in flüssiger Form.

WIRKUNGEN VON OPIATEN UND MORPHINDERIVATEN

KURZZEITWIRKUNGEN

Die Kurzzeitwirkungen von Opiaten und Morphin-Derivaten umfassen:

  • Benommenheit
  • Verlangsamtes Atmen
  • Verstopfung
  • Bewusstlosigkeit
  • Übelkeit
  • Koma

LANGZEITWIRKUNGEN

Die dauerhafte Einnahme oder der Missbrauch von Opiaten kann zu physischer Abhängigkeit und Sucht führen. Der Körper passt sich an die Drogen an und Entzugserscheinungen treten auf, wenn die Einnahme reduziert oder beendet wird. Dazu gehören Unruhe, Muskel- und Knochenschmerzen, Schlaflosigkeit, Durchfall, Erbrechen und plötzliches Frieren mit Gänsehaut („kalter Entzug“). Es kann auch ein Gewöhnungseffekt eintreten, was bedeutet, dass Langzeitkonsumenten ihre Dosen erhöhen müssen, um die gleiche Wirkung zu erzielen.

Ein ‚Freund‘ brachte mich auf Oxys. Anfangs nahm ich eine Dosis von 40 mg. Nach einigen Monaten hatte ich sie bis zu 60 mg erhöht. Mittlerweile war ich süchtig und begann sie zu kauen, um schneller high zu werden und nicht krank. Denn wenn ich die erste Pille morgens nicht direkt nach dem Aufstehen einwarf, wurde ich krank. Die zweite Tablette brauchte ich vormittags, einige weitere dann nachmittags und abends. Ich wusste, dass ich abhängig war, denn ich brauchte sie, um überhaupt zu funktionieren. Ich fühlte mich furchtbar, wenn ich sie nicht genommen hatte. Nicht nur körperlich. Ohne sie kam ich einfach nicht mehr mit den Leuten und dem Leben zurecht. Als ich schließlich 80 mg schluckte, stürzte ich völlig ab. Ich fing an, alle Bekannten zu bestehlen, um meine nächste Dosis zu sichern. – Charleen

Einige der gängigen Handelsnamen und Slangbezeichnungen:

SZENENAMEN

BRAND NAMES STREET NAMES BRAND NAMES STREET NAMES
Fiorional with Codeine Captain Cody Actiq Apache
Robitussin A-C Cody Duragesic China girl
Tylenol with Codeine Schoolboy Sublimaze Dance fever
Empirin with Codeine Doors & Fours OxyContin Goodfella
Roxanol Pancakes & Syrup Percodan Murder 8
Duramorph Loads Percocet Tango and Cash
Demerol M Tylox China white
  Miss Emma Dilaudid Friend
  Monkey   Jackpot
  White stuff   TNT
  Demmies   Oxy 80
  Pain killer   Oxycat

STIMULANZIEN:

Rezeptpflichtige Medikamente Stimulanzien 1Stimulanzien, manchmal auch als „Uppers“ bezeichnet, erhöhen vorübergehend die Wachheit und sorgen für einen Energieschub. Die gebräuchlichsten Straßendrogen, die in diese Klasse fallen, sind Kokain und Amphetamine.

Rezeptpflichtige Stimulanzien sind in Form von Tabletten oder Kapseln erhältlich. Bei einem Missbrauch von Stimulanzien werden sie geschluckt, in flüssiger Form injiziert oder gemahlen und dann geschnupft.

KURZZEITWIRKUNGEN

Stimulanzien verursachen ein kurzfristiges Hochgefühl, unmittelbar gefolgt von einem Tief in Form von einem Gefühl der Erschöpfung, Apathie und Depression. Aufgrund dieser schnell auftretenden und dauerhaften Erschöpfung greift der Konsument von Stimulanzien erneut zu diesen Mitteln. Bald schon geht es ihm nicht mehr um das „High“. Er versucht nur noch, sich wieder „gut“ zu fühlen und irgendwie wieder zu Kräften zu kommen.

LANGFRISTIGE WIRKUNGEN

Stimulanzien können süchtig machen. Der wiederholte Konsum von hohen Dosen einiger Stimulanzien über einen kurzen Zeitraum kann zu feindseligen Gefühlen oder zu Paranoia führen. Solche Dosen können auch zu einem gefährlichen Anstieg der Körpertemperatur und zu unregelmäßigem Herzschlag führen.

SZENENAMEN

BRAND NAMES STREET NAMES Kibbles and bits Hearts
Ritalin R-ball Speed LA turnaround
Concerta Skippy Truck drivers Uppers
Biphetamine The smart drug Bennies  
Dexedrine Vitamin R Black beauties  
  JIF Crosses  

ANTIDEPRESSIVA

Eine weitere Kategorie von rezeptpflichtigen Medikamenten, die manchmal missbraucht werden, sind Antidepressiva. Dazu gehören Fluctin, Seroxat, Citalopram, Zoloft, Trevilor und Remergil. Diese gibt es als bunte Kapseln und Tabletten.

Rezeptpflichtige Medikamente Antidepressiva 1„Mein ganzer Körper schrie nach diesen Pillen. Ich konnte die Gefühle nicht ertragen, die ich ohne sie hatte ... Ich brauche mehr Hilfe, um den Effexor-Entzug zu schaffen. Ich bin so deprimiert, dass ich angefangen habe, mich zu ritzen, und ich weiß nicht mal genau warum. Alle paar Stunden habe ich Halluzinationen und sehe Dinge. Erst heute habe ich Blut an meiner Wand heruntertropfen sehen.“ – RitaStudien haben gezeigt, dass diese Drogen folgende Auswirkungen haben können:

  • Schlaflosigkeit
  • Reizbarkeit
  • Nervosität und Angstzustände
  • Gewaltgedanken und Gewalttätigkeit
  • Erregung
  • Selbstmordgedanken oder Selbstmord
  • Muskelzittern
  • Feindseligkeit
  • Schwitzen
  • Unregelmäßiger Herzschlag
  • Aggressionen
  • Kriminelles Verhalten
  • Verwirrung und zusammenhanglose Gedanken
  • Verfolgungswahn
  • Halluzinationen
  • Psychosen
  • Akathisie (schmerzhafte innere Unruhe und die Unfähigkeit, still zu sitzen)

Eine Studie ergab, dass 14 % der jungen Menschen, die ein Antidepressivum einnahmen, aggressiv und sogar gewalttätig wurden. Ein 12-Jähriger hatte Albträume davon, wie er seine Mitschüler umbringt und dann selbst erschossen wird. Der Traum fühlte sich nach dem Aufwachen immer noch „sehr real“ an, er träumte auch in den nächsten Tagen immer wieder vom Töten und die Träume erschienen ihm zunehmend realer. Er bekam akute Selbstmordgedanken, bis das Medikament abgesetzt wurde.

Diese Studie enthielt noch einige andere Beispiele für extremes und irrationales Verhalten von Einzelpersonen, die diese Medikamente nahmen. Ein Mann rammte einen Polizisten mit seinem Auto, sodass er dessen Waffe an sich reißen konnte, und erschoss sich. Ein anderer Mann ertränkte sich und seine beiden kleinen Kinder in einer Badewanne und ein Junge knüppelte einen guten Freund ohne ersichtlichen Grund nieder. Keiner von ihnen war bis dahin jemals gewalttätig gewesen.

Die Entzugserscheinungen von Antidepressiva beinhalten Selbstmordgedanken, Aggressionen, Angst, Depressionen, Weinkrämpfe, Schlaflosigkeit, Schwindel, Erbrechen, Kopfschmerzen, Zittern und das Gefühl elektrischer „Schläge“ im Gehirn.

KETAMIN

Rezeptpflichtige Medikamente Ketamin 1Ketamin ist ein sogenanntes dissoziatives Anästhetikum1. Es wird meist als Narkosemittel in der Human- und Tiermedizin in Pulver- oder flüssiger Form eingesetzt. Als Droge wird es injiziert, Getränken beigemischt, geschnupft oder in Form von Joints bzw. Zigaretten geraucht. In Deutschland, der Schweiz und Österreich ist Ketamin rezeptpflichtig, unterliegt jedoch nicht dem Betäubungsmittelgesetz (Österreich: Suchtmittelgesetz).

Zu den kurz- und langfristigen Nebenwirkungen gehören gesteigerte Herzfrequenz, hoher Blutdruck, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, Depressionen, Amnesie, Halluzinationen sowie potenziell tödliche Atmungsprobleme. Ketamin-Konsumenten können eine regelrechte Gier nach dem Mittel entwickeln. Bei Einnahme hoher Dosen kommt es nach Berichten von Konsumenten zum sogenannten „Ketamin-Loch“, „einem Gefühl, neben sich zu stehen“, und zu „Nahtod-Erfahrungen“.

Da Ketamin einen losgelösten, traumhaften Zustand hervorruft, in dem der Konsument fast bewegungsunfähig wird, wird es auch als „K.O.-Tropfen“ verwendet: Opfer von Vergewaltigungen können sich oft an keine Details erinnern.

SZENENAMEN

BRAND NAMES Ketanest STREET NAMES Cat Valium
Ketaset Ketanest S Special K Jet
Ketalar   K Super acid
Ketalar SV   Super C Green

MISSBRAUCH REZEPTFREIER MEDIKAMENTE

Rezeptpflichtige Medikamente Rezeptfrei 1„Meine Erfahrungen mit DXM: Plötzlich hatte ich Blut im Urin. Ich fühlte mich krank ... und schwach ... Ich habe alles aufgegeben, weil ich davon besessen war ... Meine Gedanken kreisten nur darum, high zu werden ... Ich dachte, ich könnte Hustensirup einfach zum Spaß nehmen, einfach so. Ich hätte nie damit gerechnet, süchtig zu werden ... Ich kann die Zeit nicht mehr zurückdrehen. Wenn ich könnte, würde ich diese Zeit einfach auslöschen.“ – Crystal Auch frei verkäufliche Erkältungs- und Hustenmittel, die Dextromethorphan (DXM) enthalten, wurden als „Insiderdroge“ missbraucht. DXM ist als Sirup, Gel und in Tablettenform erhältlich. Besonders gefährlich ist es, wenn es als Pulver über das Internet verkauft wird, wegen der fragwürdigen Zusammensetzung und Dosierung. Es ist weltweit in mehr als 100 Produkten enthalten.

WIRKUNGEN

  • Visuelle Halluzinationen
  • Übererregbarkeit
  • Schlaflosigkeit
  • Lethargie
  • Körperliche Abhängigkeit (bei längerem Konsum)
  • Schwindelgefühl
  • Undeutliches Sprechen
  • Wahnvorstellungen
  • Schweißausbrüche
  • Bluthochdruck
  • Leber- und Hirnschäden

Gemischt mit anderen Medikamenten kann Hustensirup auch zu Problemen des zentralen Nervensystems und zu Herzproblemen führen. In Kombination mit Alkohol ist der Sirup besonders gefährlich und kann sogar tödlich sein.

SZENENAMEN

BRAND NAMES STREET NAMES Triple C Poor Man's PCP
Coricidin DXM Skittles  
Robitussin CCC Robo  

INTERNATIONALE STATISTIKEN

Rezeptpflichtige Medikamente Statistiken 1In den USA missbrauchen täglich 2500 Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren zum ersten Mal ein rezeptpflichtiges Schmerzmittel.

Missbrauch rezeptpflichtiger Medikamente grassiert besonders in den USA, ist aber auch ein Problem in vielen anderen Teilen der Welt, darunter Europa, Südafrika und Südasien. Allein in den USA missbrauchen mehr als 15 Millionen Menschen rezeptpflichtige Arzneimittel. Das sind mehr Menschen, als all diejenigen, die Kokain, Halluzinogene, Schnüffelstoffe und Heroin nehmen, zusammengenommen.

In Deutschland sind etwa 1,4 Millionen Menschen abhängig von rezeptpflichtigen Medikamenten, etwa ebenso viele Menschen sind suchtgefährdet. Das entspricht ungefähr der Zahl der Alkoholabhängigen (1,3 Millionen). Die Anzahl der Medikamentenabhängigen ist etwa vier bis sieben Mal so hoch wie die Anzahl der Drogenabhängigen. Schätzungsweise 1 bis 1,1 Millionen Menschen sind allein von Schlaftabletten oder Beruhigungsmitteln abhängig.

In den USA wurde in einer Erhebung im Jahr 2007 festgestellt, dass 3,3 % der 12- bis 17-Jährigen und 6 % der 17- bis 25-Jährigen innerhalb des vergangenen Monats rezeptpflichtige Medikamente missbraucht hatten.

Der größte Teil der Todesfälle durch eine Überdosis Drogen stammt vom Missbrauch rezeptpflichtiger Medikamente. 38,2 % der 22.400 Menschen, die in den USA im Jahr 2005 an einer Überdosis starben, hatten Opiat-Schmerzmittel missbraucht.

Im Jahr 2005 gaben in den USA 4,4 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 12 und 17 Jahren zu, rezeptpflichtige Schmerzmittel zu nehmen. Weitere 2,3 Millionen nahmen rezeptpflichtige Stimulanzien wie Methylphenidat, z. B. Ritalin, Medikinet. 2,2 Millionen missbrauchten rezeptfreie Medikamente wie z. B. Hustensaft. Das Durchschnittsalter von Erstkonsumenten liegt jetzt zwischen 13 und 14 Jahren.

Beruhigungsmittel, Opiate und Antidepressiva verursachen mehr Todesfälle durch Überdosierung (45 %) als Kokain, Heroin und Amphetamin zusammen (39 %). In den Vereinigten Staaten ereigneten sich früher die meisten Todesfälle in afroamerikanischen Vierteln. Heute stehen ländliche Gebiete mit weißer Bevölkerung an erster Stelle. Von den 1,4 Millionen Notaufnahmen im Zusammenhang mit Drogen im Jahr 2005 waren 598.542 durch den Missbrauch von Medikamenten allein oder zusammen mit anderen Drogen bedingt.

Umfragen zufolge glauben fast 50 % der Jugendlichen, dass rezeptpflichtige Medikamente viel sicherer sind als illegale Drogen. 60 % bis 70 % geben an, dass sie sich über ihre Hausapotheke mit Drogen eindecken.

Rezeptpflichtige Medikamente Statistiken 2Das US-Nationale Zentrum für Sucht und Drogenmissbrauch an der Columbia Universität verglich das Verhalten von Jugendlichen, die rezeptpflichtige Medikamente missbrauchen, mit Jugendlichen, die dies nicht tun. Das Ergebnis: Jugendliche, die rezeptpflichtige Medikamente missbrauchen, greifen doppelt so häufig zu Alkohol, fünfmal so oft zu Marihuana und nehmen 12 bis 20 Mal so häufig illegale Drogen wie Heroin, Ecstasy und Kokain.

Die amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA stellte fest, dass 2007 in den USA über 1000 Menschen durch den Missbrauch des Schmerzmittels Fentanyl zu Tode gekommen waren. Das Mittel ist 30 bis 50 Mal stärker als Heroin.

Als ich erkannte, dass ich mehr und mehr Xanax konsumierte, nahm ich mir von der Arbeit frei, um es abzusetzen. Mir war nicht klar, dass ich mittlerweile süchtig geworden war. So geriet ich in den ‚kalten Entzug‘. Ich war vier Tage und Nächte lang bettlägerig, konnte weder schlafen noch essen, musste mich erbrechen und hatte Halluzinationen. Am dritten Tag ohne Xanax bekam ich motorische Probleme und verlor mein Gleichgewichtsgefühl, ich lief regelrecht in Dinge hinein. Am vierten Tag fing ich an, mir ernsthaft Sorgen zu machen, denn nun bekam ich Zuckungen. – Patricia

Quelle: drugfreeworld.org, 2012